Mit dem Ausscheiden von Simon Rijsdijk als Präsident der Europäischer Verband der Standesbeamtinnen und Standesbeamten (EVS) am 1. Juni 2026 geht ein beeindruckendes Kapitel in der Geschichte des Verbandes zu Ende. Gleichzeitig beginnt ein neues Kapitel, da er am Mittwoch, dem 27. Mai 2026, von der EVS-Mitgliederversammlung in Ostende (Belgien) zum Ehrenpräsidenten ernannt wurde. Nach den Worten von EVS-Vizepräsident Steve Heylen in seiner Würdigungsrede ist diese besondere Auszeichnung eine Anerkennung für eine lange Laufbahn, in der Weitblick, Menschlichkeit und europäische Verbundenheit stets im Mittelpunkt standen.
Über Jahrzehnte hinweg hat sich Simon Rijsdijk sowohl in den Niederlanden als auch auf europäischer Ebene als Schlüsselfigur im Bereich des Personenstandswesens profiliert. Bereits 1994 war er an der Gründung der NVVB (Nederlandse Vereniging voor Burgerzaken – Niederländischer Verband für Zivilangelegenheiten) beteiligt, wo er in verschiedenen Funktionen (Präsident seit 2014) die weitere Professionalisierung des Fachgebiets mitgestaltete. Hochwertige Dienstleistungen waren ein roter Faden in seinem gesamten Wirken, und er scheute Veränderungen nie, wenn sie diesem Ziel dienten. Zudem förderte er die Entwicklung dessen, was heute als niederländische Basisregistratie Personen (Grundregistrierung für Personen) bekannt ist, und half damit, die Grundlagen für eine moderne und zukunftsorientierte Registerlandschaft zu schaffen.
Innerhalb der EVS wurde Simon zu einer treibenden Kraft für Erneuerung und Stabilität zugleich. Im Jahr 2013 wurde er einstimmig zum Vizepräsidenten gewählt. Schon früh zeigte sich, wie strategisch er die Zukunft des Verbandes anging: Bereits 2014 legte er eine klare und realistische Vision für die EVS vor. Dies brachte nicht nur mehr Fokus und bessere Zusammenarbeit, sondern führte auch zu einer effizienteren Arbeitsweise. Unter seinem Impuls konnte sich die EVS wieder stärker auf ihre Kernaufgaben konzentrieren: fachlichen Austausch, vergleichende Rechtsanalyse, Wissensaustausch und die Förderung der Harmonisierung in Europa.
Er rückte auch neue und heute unverzichtbare Themen deutlich in den Vordergrund, etwa Identitätsmanagement, digitale Innovation, bürgerorientierte Dienstleistungen und die Bekämpfung von Betrug. Gleichzeitig betonte er immer wieder, dass technologischer Fortschritt niemals Selbstzweck sein dürfe. Für Simon war stets klar, dass die Digitalisierung Chancen eröffnet, dass menschliche Fachkompetenz jedoch unverzichtbar bleibt – insbesondere in komplexen Fällen des internationalen Personen- und Familienrechts. Gerade darin, so betonte er wiederholt, liege der bleibende Mehrwert der Fachleute im Personenstandswesen: in ihrem Wissen, ihrer Urteilsfähigkeit und ihrem menschlichen Umgang.
Diese Verbindung von Weitblick und Verlässlichkeit zeigte sich besonders deutlich im Jahr 2017, als die EVS unerwartet vom Tod ihres Präsidenten Jürgen Rast getroffen wurde. In dieser schwierigen Zeit sorgte Simon mit Ruhe, Verantwortungsbewusstsein und Führungsstärke für Kontinuität. Es war daher nur folgerichtig, dass er 2018 einstimmig zum Präsidenten der EVS gewählt wurde. In dieser Funktion führte und stärkte er den Verband mit großer Hingabe weiter.
Was Simon Rijsdijk besonders auszeichnet, ist nicht nur sein organisatorischer und inhaltlicher Beitrag, sondern auch seine Fähigkeit, Menschen und Perspektiven miteinander zu verbinden. Kolleginnen und Kollegen schätzen ihn als Brückenbauer, der kulturelle Unterschiede überwindet und technische Vorschläge in tragfähige Lösungen verwandelt, die von den verschiedenen Mitgliedsverbänden mitgetragen werden. Er stärkte die Beziehungen zu europäischen Institutionen, half der EVS, ihre Außenbeziehungen zu erweitern, und stellte auch den Kontakt zur CIEC/ICCS wieder her. Damit verschaffte er dem Verband nicht nur mehr Sichtbarkeit, sondern auch eine stärkere Position im breiteren europäischen Netzwerk.
Neben seinem organisatorischen Talent und seinem innovativen Blick wird Simon auch für seine warmherzige Persönlichkeit und seinen aufrichtigen Respekt vor Wissen und Fachkompetenz geschätzt. Er setzte sich konsequent dafür ein, die Expertise innerhalb des Fachgebiets zu stärken und Entscheidungsträgern den wahren Wert des Personenstandswesens bewusst zu machen. Für ihn ging es dabei nie nur um juristisches oder technisches Wissen – das man in Gesetzbüchern nachlesen kann –, sondern um die Fähigkeit, Gesetzgebung in echte Lösungen für echte Menschen zu übersetzen. Dieser Ansatz machte ihn zu einer Inspirationsquelle für Kolleginnen und Kollegen in den Niederlanden, in der Karibik und in der gesamten EVS.
Simon hat auch bei gesellschaftlich sensiblen Themen bleibende Spuren hinterlassen. Ein Beispiel, das viele bis heute tief bewegt, ist sein Einsatz für die Registrierung totgeborener Kinder. Dies zeigt, wie aufmerksam er stets für die menschliche Seite von Regeln und Verwaltung blieb. Während der COVID-19-Pandemie bewies er erneut seine Widerstandskraft, indem er die EVS rasch zu digitalen Formen des Austauschs führte und Kolleginnen und Kollegen in einer außergewöhnlichen Zeit miteinander verbunden hielt.
Mit seinem Ausscheiden als Präsident verabschiedet sich die EVS von einer Führungspersönlichkeit, die den Verband stärker, inhaltlich reicher und zukunftsorientierter gemacht hat. Mit seiner Ernennung zum Ehrenpräsidenten auf dem EVS-Kongress in Ostende, kurz vor seinem Eintritt in den Ruhestand, bringt die EVS ihre tiefe Dankbarkeit für alles zum Ausdruck, was Simon Rijsdijk für den Verband und für das Personenstandswesen geleistet hat. Diese Auszeichnung würdigt nicht nur seine beeindruckende Lebensleistung, sondern auch seine warmherzige Persönlichkeit als Mensch und als verbindende Kraft. (sh)
